Dieses Projekt reflektiert (neuro-) wissenschaftliche Weltbilder mit den Mitteln des Theaters. Ausgehend von dem im Herbst 2004 erschienen Manifest renommierter Neurowissenschaftler, welches Auskunft über den Stand und die zukünftigen Möglichkeiten der Hirnforschung gibt, beschäftigt sich PLASMA mit der Frage, wie unser Gehirn mit den Mitteln des Gehirns beschrieben werden kann. Dieser tragikomische Versuch, das Unbeschreibbare zu beschreiben, ist Gegenstand des Projekts TIP OF THE TONGUE.

PLASMA macht dabei den Bühnenraum zur Dunkelkammer des Gehirns und verdichtet ein neuronales Netz aus Tönen, Worten, Aktionen und Bildern zu einer multimedialen Bühneninstallation. Dabei werden die Laboranten zu Versuchstieren, verheddern sich in Déjà-vus, stolpern über Gedächtnislücken, werden geschüttelt von Assoziations-kaskaden, erinnern zwanghaft und vergessen, wozu sie hier sind. Seit Jahrhunderten versucht der Mensch sein Denkorgan zu verstehen und kartographiert die graue Substanz. Funktionen, die wir bis anhin einer immateriellen Seele zugeschrieben haben, scheinen plötzlich anatomisch beschreibbar. Aber so wie Gagarin – der erste Mensch im All - feststellte, dass er Gott bei seinem Raumflug nicht gesehen hat, müssen wir nach dem Öffnen der Schädeldecke feststellen, dass wir das Ich bislang nicht sehen können. Das Projekt TIP OF THE TONGUE entstand in Zusammenarbeit mit dem Festival Science et Cité + BrainFair 2005 und wurde unter anderem in In Düsseldorf, Bern und Teheran gezeigt.

„Dann werden alle unsere Fragen beantwortet sein. In einer Sprache, die wir jetzt noch nicht verstehen. In einer ganz neuen Sprache. Jeder Zweifel ausgeräumt. Restlos, radikal, definitiv. Ein neues Menschenbild. Die Trennung von Körper und Geist überwunden. Dann werden wir uns aus uns selbst erkennen. Das ist die Stunde Null, der Urknall, das jüngste Gericht, die Rückeroberung des Garten Eden, der Himmel auf Erden, das Paradies! Wir werden im intrazellulären Signalcode lesen wie in einem Buch! Wir werden den Bauplan kennen, das Prinzip. Fakten. Nur noch Anatomie. Harte Fakten. Anatomie! Dann werden wir wissen. Dann werden wir endlich wissen was wir-Dann werden wir endlich wissen wer wir - Dann werden wir das verstehen.“

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Pressestimmen:

Plasma war beim letzten NRW-Theaterfestival „Impulse“ mit „Delirium“ die Sensation. Auch diesmal beeindruckten die Schweizer durch ihren unterschwelligen Witz und ihre Präzision.

Kölnische Rundschau

Mitten im schweizweiten Gehirn-Festival „Science et Cité + BrainFair 2005“ erspielte die ausgezeichnete Gruppe Plasma „Theater zur Frage, ob man das Hirn mit dem Hirn verstehen kann“. Die Frage stört in der Gehirnforschungseuphorie.

Musik & Theater

Schön! Ein Genuss! Es schläft ein Lied in allen Wissenschaften, die da träumen fort und fort – könnte man es nicht dabei bewenden lassen? Plasmas szenisches Konzert um einen Sprechfehler ist materiell eine hirnrissige wissenschaftliche Besinnungslosigkeit; atmosphärisch ist es Besinnung, die uns besinnt auf die unbestimmte Lücke zwischen den wissenschaftlich haltbaren Bestimmungen. Schiller – darum nennen wir Plasma klassisch – war auch Hirnforscher und erkannte in Lücke und Zwischenraum das Fehlende, das er im „Tell“ kurz so fasste: „der Freiheit eine Gasse.

St. Galler Tagblatt

Die Bühne ist ein Symposium, ein Labor, ein funktionierendes Hirn. Es ist spannend, tragisch und komisch, diesem Hirn beim Arbeiten, beim Denken, beim Assoziieren, beim Erinnern, beim Vergessen, beim Träumen, beim Stolpern, sich Täuschen und Überfordertsein zuzuschauen und zuzuhören. Vor allem ist es sinnlich. Und es ist Theater. Wissenschaftliche Erkenntnisse, wissenschaftliche Sprache wird zitiert, variiert, fragmentiert und neu zusammengesetzt. Licht, Töne, Worte, Aktionen, Bilder verdichten sich zu einer multimedialen Bühneninstallation und zu poetischen, berührenden Momenten, die man festhalten möchte wie flüchtige Gedanken.

Züritipp

Eine klar-karge, kühl-komische enzephalogrammatische Expedition.

Neue Zürcher Zeitung

Genüsslich, mit ironischer Distanz zum Wissenschaftsbetrieb, führt die Gruppe „Plasma“ um Lukas Bangerter vor, dass auch Wissenschafter nur Menschen sind. Sperren sie sich dagegen, geben sie Stoff ab für einen auch videotechnisch hervorragenden Theaterabend, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Bieler Tagblatt

Die Schweizer Gruppe PLASMA ironisiert in "TIP OF THE TONGUE" den Erkenntnisstand der Hirnforschung. Der Münchner Neurologe Adrian Danek amüsierte sich hinterher köstlich über das "Fachgeschwurbel", das auf der Bühne ad absurdum geführt wird. Die vier Wissenschaftler, die an fünf Rednerpulten referieren verheddern und verhaspeln sich gnadenlos, bis es absolut nichts mehr zu verstehen gibt. Lukas Bangerter inszenierte eine ebenso präzise wie groteske Choreographie mit virtuosen Sprechorgien und absurden Störungen durch Licht, Musik und Tanz.

Münchner Abendzeitung

Спектакль, который Лукас Бангертер показал зрителям в Киеве – один из тех образцов современного театра, который не мучает зрителя всеядной символизацией или навязчивыми попытками вылечить современное общество. Театр Plasma и его режиссер, по всей видимости, руководствуются иными целями и ценностями, о которых герр Бангертер любезно поведал нам в интервью.

LB.ua