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Geraucht wird viel und standesgemäss: Die in moderne Geschäftsanzüge gekleideten Feldherren und Adligen halten sich an die billigen Zigaretten, der König an die kubanische Cohiba. Und auch der Kaffee wird gleich plastikbecherweise aus dem Automaten gelassen – anfänglich noch mit Milch verdünnt, später dann bitter und schwarz wie die Galle. Ob schottischer Königshof oder Teppichbodenetage einer modernen Firma, zeitlich und räumlich bleibt der kühl wirkende Handlungsrahmen im siebten Projekt «Macbeth» der renommierten Theatergruppe Plasma aus Zürich geheimnisvoll oszillierend in der Schwebe. Vielmehr erzählt Regisseur und Bühnenbildner Lukas Bangerter die zeitlose Geschichte über den Aufstieg und Fall von Macbeth als fixe Idee, die sich zur ungewollten Katastrophe auswächst. Unwichtig, wer in diesem zeitlosen Intrigenspiel welchen Part übernimmt. In jedem von uns könnte ein kleiner an die Macht strebender Macbeth stecken, der mit Hilfe einer höllisch skrupellosen Lady Macbeth (Ane Skumsvoll) den einfältigen König Duncan (Wowo Habdank) und seine Getreuen umzubringen und den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzuverfolgen vermag – trotz den fatalen Auswirkungen seines Handelns. So wechseln sich die drei restlichen Schauspieler in der Darstellung des auf wenige Rollen reduzierten Bühnenpersonals ab und lassen so Macbeths Wandlung vom Paulus zum Saulus durch ihr präzises und differenziertes Agieren auch bildhaft nachvollziehen. Ist dem traumwandlerischen Königsmörder (Jorgos Margaritis) anfänglich die Krone noch zu gross und rutscht ihm über den Kopf, so passt sie dem neu gekrönten und mit Bewegungsstörungen kämpfenden Herrscher (Andreas Spaniol) wie angegossen, behindert aber wieder den grössenwahnsinnig gewordenen Feldherrn (Jesko Stubbe) beim Besteigen seines meterhohen Throns. Tritt bei Shakespeares Drama das Thema, das Wirken unfasslicher, bedrohlicher Kräfte, die über das menschliche Leben Macht ausüben, in der Form von Hexen auf, so ist bei der Interpretation durch die Theatergruppe Plasma das Böse allgegenwärtig und nicht mehr personifiziert: Die Beschwörungsformeln tönen verfremdet aus zwei Lautsprechern, ein ständiges Rauschen und Knacken liegt in der Luft und der hypnotische Sound von Martin Wigger verleiht den faszinierenden Videoprojektionen von Bernhard Kaeser eine gespenstische Wirkung.

Der Bund