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Die Gruppe PLASMA spürt in "WALK DON'T WALK" dem Phänomen Stadt nach, leicht und assoziationsreich. Texter, Bühnenbildner und Regisseur Lukas Bangerter bringt komplexe Themen mit viel Humor und Leichtigkeit auf die Bühne. Die kurzen Szenen sind so rasch geschnitten, dass doch ein vielseitiges kaleidoskopisches Gesamtbild entsteht. "Ich habe die Stadt nicht gemacht, aber die Stadt macht mich" bringt eine der namenlosen Figuren am Ende des Stücks den Inhalt auf den Punkt.

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Im Jahr 2007 wird – nach einem Bericht der Vereinten Nationen – zum ersten Mal in der Geschichte die Mehrzahl der Menschen in Städten wohnen. Das war’ys dann aber auch schon mit der Realität in der Gessneralle am Mittwochabend. Die Zürcher Gruppe Plasma interessiert sich mehr fürs Experiment denn für schnöden Naturalismus.  Eine eindrückliche Menge weißer Klötze als Hochhäuser, die in Richtung Horizont paradoxerweise höher statt kleiner werden und in deren Schluchten die Performer immer wieder verschwinden. Manche dieser Kuben haben die richtige Höhe für ein Mikrofon, dann sind sie Rednerpulte oder Check-in-Schalter. Da gibt es Störgeräusche, falsche Übertitelungen und Übersetzungen vom Dänischen ins Hebräische. Gescheiterte Kommunikation, wohin Auge und Ohr reichen – wir sind beim Kerngeschäft von Plasma. 
Seit 2000 existiert die mittlerweile auch im Ausland sehr gefragte Gruppe um Lukas Bangerter, der sich in Personalunion um Regie, Bühne und Text kümmert. Und ebenso lange steht Plasma irgendwie quer in der Theaterlandschaft: Beständig und fleissig schafft die Gruppe mit einem festen Kern knapp zwei Produktionen pro Jahr, alle sehr sorgfältig gearbeitet, alle stilistisch sehr ähnlich: Formationen, Strukturen, detailversessene Choreografien, festgelegt bis zum kleinsten Hüsteln. Streng durchnummeriert haben sie ihre Projekte (das aktuelle ist Nummer 11), die sich mit Versuchsanordnungen beschäftigen, mit dem Nimbus der exakten Wissenschaften, und eben, mit den Tücken der Kommunikation. Das auf acht Leute angewachsene Ensemble geht zwischen den weißen Hochhäusern hin und her, immer schön im rechten Winkel und häufig im Gleichschritt. "Walk Don’t Walk". Der Zufall ist im Spiel und viel Einsamkeit. Treffen die ewigen Großstadt-Singles aufeinander, so wird hektisch geplaudert, verzweifelt, aggressiv. "Sehen wir uns wieder", fragt einer – „Vielleicht." 
Überhaupt hat man nicht mehr viel direkten Kontakt, davon zeugt eine durchdrehende Helpline ebenso wie nächtliches Geplauder durchs Glasfaserkabel. Man ist abgekoppelt von den simpelsten Vorgängen, die doch bestimmt irgendwann einmal einfach nachvollziehbar waren. So versuchen die Figuren unermüdlich, den Ursprung zu finden, den Anfang von dem, was nun als fertige Stadt da ist. Und scheitern zwangsläufig. "Ich habe sie nicht gemacht, diese Stadt", brüllt einer, "Sie macht mich! Ich gehe in rechten Winkeln, im Fahrplantakt.“

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